Die meisten Apfelsorten tragen nur, wenn eine zweite Sorte zur gleichen Zeit blüht und ihren Pollen liefert. In einer gemischten Streuobstwiese ergibt sich das meist von selbst. Stehen im Garten aber nur einzelne Bäume und fehlen Apfelbäume in der Nachbarschaft, sollten Sie zumindest einen guten Pollenspender zusätzlich pflanzen. Triploide Sorten wie der Brettacher sind dafür ungeeignet. Die Bestäubung übernehmen Bienen, Hummeln und Wildbienen. Sie brauchen das ganze Jahr Nahrung, vor der Obstblüte ebenso wie danach. Blühende Hecken, eine Ecke mit heimischen Wildstauden und mehr Wiese statt Rasen sichern deshalb auch die Ernte Ihrer Obstbäume.
Brettacher
Apfel · Brettach, Kreis Heilbronn, um 1900
Wirtschafts- und Mostapfel, aus warmen Lagen auch zum Frischverzehr. Pflücken ab Anfang Oktober, im kühlen Lager etwa fünf Monate haltbar.
Geschmack fest, saftig, mit erfrischender Säure. Schmeckt nur aus warmer Lage gut, Schattenfrüchte bleiben fade.
Lage und Boden nährstoffreiche, durchlässige Böden, am besten im Weinbauklima. Auf kühlen, mageren Standorten lässt die Qualität stark nach.
Wuchs und Platz große, breite, flache Krone
Gesundheit stark anfällig für Feuerbrand und Mehltau, auf schweren Böden für Krebs, wenig Schorf
Ertrag wechselnd, insgesamt eher unterdurchschnittlich
Blüte und Befruchter blüht spät. Er ist triploid und befruchtet keinen anderen Baum. Befruchter z. B. Baumanns Renette, Goldparmäne, Ontario oder Zuccalmaglios Renette.
Börtlinger Weinapfel
Apfel · Börtlingen, Kreis Göppingen, um 1827
Vor allem Mostapfel mit hoher Saftausbeute, auch für die Küche. Pflücken ab Mitte Oktober, etwa zwei Monate verwertbar.
Geschmack sehr saftig, hoher Zuckergehalt mit wenig Säure
Lage und Boden durchlässige, ausreichend feuchte Böden in warmer, höchstens mittlerer Lage, keine schweren Böden
Wuchs und Platz breitrunde Krone mit im Alter überhängenden Ästen, anfangs starker, später höchstens mittelstarker Wuchs
Gesundheit wenig Schorf, mittelstark Mehltau, auf schweren Böden Krebs
Ertrag Massenträger, trotz wechselnder Ernten
Blüte und Befruchter blüht mittelfrüh bis spät und ist selbst ein guter Pollenspender. Als Partner eignet sich eine Sorte mit ähnlicher Blütezeit, z. B. die Goldparmäne.
Gewürzluiken
Apfel · Nordwürttemberg, seit etwa 1885
Überwiegend zum Keltern, aber auch für die Küche und zum Frischverzehr. Genussreif November bis Februar oder März.
Geschmack angenehm säuerlich, dabei genügend süß und leicht würzig, Fruchtfleisch weiß, fest und saftig
Lage und Boden anspruchslos, für hohe Erträge ist ein tiefgründiger Boden von Vorteil
Wuchs und Platz starker Wuchs mit aufstrebenden Ästen und dichter Krone, in den ersten Jahren ist ein sorgfältiger Erziehungsschnitt nötig
Gesundheit wenig Schorf und Mehltau, in feuchten Lagen etwas Schorf und Spitzendürre, stark anfällig für Feuerbrand, die Früchte hängen sturmfest
Ertrag setzt mittelfrüh ein, dann regelmäßig und hoch
Blüte und Befruchter blüht spät und lang anhaltend, die Blüte ist widerstandsfähig gegen Witterung. Befruchter z. B. Champagner Renette, Goldparmäne, James Grieve, Ontario oder Rote Sternrenette.
Bittenfelder Sämling
Apfel · Bittenfeld bei Waiblingen, erste Erwähnung 1905
Eine der besten Mostsorten für einen gehaltvollen, klaren Apfelwein, ab Mitte Januar auch zum Essen. Pflücken ab Anfang Oktober, möglichst spät, gut vier Monate haltbar.
Geschmack saftig und säuerlich, der hohe Zuckergehalt wird von der Säure überdeckt
Lage und Boden nährstoffreiche Böden, auch in rauen, windigen Lagen
Wuchs und Platz anfangs schwach bis mittelstark, im Alter hohe, breit ausladende Krone, besonders langlebig
Gesundheit fest gegen Schorf, Mehltau und Krebs, mittelstark anfällig für Feuerbrand
Ertrag setzt spät ein, stark wechselnd
Blüte und Befruchter blüht spät, die Blüte ist nicht frostempfindlich, deshalb gut für Frostlagen. Er ist selbst ein guter Pollenspender. Befruchter z. B. Danziger Kantapfel, James Grieve oder Weißer Klarapfel.
Oberländer Himbeerapfel
Apfel · Oberschwaben, bekannt seit 1854
Tafelapfel mit dunkel-purpurroter Schale und guten Lagereigenschaften.
Geschmack fein, zimtartig gewürzt und süß, wenig saftig
Lage und Boden geringe Ansprüche an das Klima, sehr frosthart und auch für Höhenlagen geeignet
Wuchs und Platz stark wüchsig, gut verzweigt, wird ziemlich groß
Ertrag setzt früh ein, gleichmäßig und hoch
Blüte und Befruchter blüht spät, deshalb gut für Frostlagen. Befruchter z. B. Weißer Klarapfel.
Quellen: Streuobst in Bayern (Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege), KOB Bavendorf, Übersicht über die Befruchtungsverhältnisse der Apfelsorten (BUND-Ortsgruppe 2013), Sortenbeschreibungen Streuobst (Stadt Walldorf), LWG Veitshöchheim




