Aus jedem Apfelkern kann ein Baum werden. Das klappt erstaunlich zuverlässig, wenn alle etwas Geduld mitbringen. Bevor Sie anfangen, sollten Sie aber eines wissen. Der neue Baum trägt nicht die Äpfel, aus denen der Kern stammt.
- Kerne auswählen. Nehmen Sie Kerne aus einem voll ausgereiften Apfel. Gute Kerne sind dunkelbraun und prall. Spülen Sie Fruchtreste ab.
- Kälte geben. Apfelkerne sind Kaltkeimer (siehe Jetzt säen, stecken und setzen). Legen Sie die Kerne in feuchten Sand oder feuchtes Küchenpapier, verschließen Sie alles in einer Dose und stellen Sie sie in den Kühlschrank. Nach einigen Wochen zeigen sich die ersten weißen Keimwurzeln. Einfacher geht es draußen. Säen Sie die Kerne jetzt etwa 1 cm tief in einen Topf und lassen Sie ihn über den Winter im Freien stehen.
- Aussäen und pflegen. Gekeimte Kerne setzen Sie etwa 1 cm tief in Töpfe mit Aussaaterde. Stellen Sie die Töpfe hell und halten Sie die Erde gleichmäßig feucht. Ab Mitte Mai dürfen die jungen Bäumchen nach draußen.
- Auspflanzen. Nach ein bis zwei Jahren kommt der junge Baum an seinen endgültigen Platz. Wie Sie dabei vorgehen, lesen Sie im Beitrag Ein neues Apfelbäumchen.
Klappt das? Ja, aber mit einer Überraschung
Die meisten Apfelsorten brauchen den Pollen einer anderen Sorte (siehe Alte Apfelsorten aus Württemberg). Jeder Kern trägt deshalb die Anlagen von zwei Eltern und ist eine neue Sorte. Die Früchte sind oft kleiner und saurer als beim Mutterbaum, manchmal aber auch eine schöne Überraschung.
So sind viele alte Sorten entstanden. Brettacher, Börtlinger Weinapfel, Gewürzluiken und Bittenfelder Sämling wurden als Zufallssämlinge gefunden.
Geduld brauchen Sie in jedem Fall. Bis ein Sämling zum ersten Mal trägt, vergehen oft fünf bis zehn Jahre, manchmal mehr. So wächst der Baum mit den Kindern mit.
Der Weg der Baumschulen: veredeln
Wer eine bestimmte Sorte ernten möchte, nutzt den Sämling als Unterlage und veredelt ihn. Sämlinge bilden ein großes, tief reichendes Wurzelwerk und kommen gut mit Nässe und Trockenheit zurecht. Deshalb stehen Hoch- und Halbstämme oft auf Sämlingsunterlagen (siehe Der richtige Baum), häufig auf dem Bittenfelder Sämling.
Veredelt wird im Sommer durch Okulation, von Juli bis Anfang September, oder im zeitigen Frühjahr durch Kopulation, im Februar und März vor dem Austrieb. Die Edelreiser dafür schneiden Sie in der Winterruhe im Dezember oder Januar und lagern sie kühl und frostfrei. Ein veredelter Baum auf Sämlingsunterlage trägt meist ab dem vierten bis siebten Standjahr.
Das Veredeln lernen Sie am besten in einem Kurs, wie ihn viele Obst- und Gartenbauvereine anbieten.
Vom Kern zum Baum
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Kerne auswählen -
Kälte geben -
Aussäen und pflegen -
Auspflanzen
Alternativprojekte
- Weinbergpfirsich. Er ist selbstfruchtbar und wird traditionell über den Kern vermehrt. Die Sämlinge ähneln der Mutterpflanze meist stark, sind aber keine exakte Kopie.
- Wildobst. Vogelkirsche, Kornelkirsche, Schlehe, Haselnuss, Holunder oder Wildapfel: Hier bekommen Sie die Art, aber keine bestimmte Sorte.
- Johannisbeer-Steckholz. Passt genau in den November, gelingt fast immer und trägt schon nach zwei bis drei Jahren. Ein schnelles Erfolgserlebnis für Kinder.
Quellen: LWG Veitshöchheim (Merkblätter Veredlungsunterlagen und Veredlungstechniken), DVL Streuobst (Sämlingsunterlagen), Sortenbeschreibungen Streuobst (Stadt Walldorf)



