Jede Pflanze hat ihren Platz in der Natur
Wildpflanzen wachsen dort, wo Licht, Wasser und Boden zu ihnen passen. Das ist ihre ökologische Nische. Daran haben sie sich angepasst: Die Fetthenne speichert Wasser in dicken Blättern, der Lavendel hat mit seinen silbrigen Blättern einen eigenen Verdunstungsschutz. Beide können sich nur auf sonnigen, mäßig feuchten Standorten dauerhaft durchsetzen. Am falschen Platz kümmern sie, werden krank oder gehen ein.
Züchtungen weichen oft ab: Edelrosen brauchen mehr Sonne, Nährstoffe und Pflege als die Hundsrose und bieten weniger Insekten Nahrung (siehe Trockenheitsverträgliche Pflanzen).
Gesellig oder konkurrenzschwach?
Auch im Umgang mit Nachbarn unterscheiden sich Pflanzen. Manche wachsen gern in Gruppen und bilden dichte Teppiche, andere sind konkurrenzschwach und werden neben kräftigen Nachbarn überwachsen. Wieder andere breiten sich über Ausläufer aus, wie Schlehe und Liguster. Wer das weiß, wählt Nachbarn mit ähnlichen Ansprüchen und plant die richtigen Pflanzabstände ein.
Die Lebensbereiche nach Hansen und Stahl
Gärtner im deutschsprachigen Raum beschreiben den Standort mit einem System von Richard Hansen und Friedrich Stahl (Weihenstephan): Lebensbereich, Bodenfeuchte und Licht. Gärtnereien nutzen die Angaben teils leicht abweichend.
Lebensbereich
Unter Bäumen und großen Sträuchern liegt der Lebensbereich Gehölz (G): wenig oder keine direkte Sonne, humoser, dunkler Boden. Am Rand von Sträuchern, Hecken oder Wänden beginnt der Gehölzrand (GR): kühl, luftfeucht, eher humos. Die Freifläche (Fr, FS, SH) ist offener Platz, etwa abgestochener Rasen, für Wild- und Präriestauden und robuste Stauden. Heide (H) bedeutet sandigen, nährstoff- und kalkarmen Boden. Das Beet (B, b) ist für intensive Bepflanzung mit Prachtstauden gedacht. Auf Steinanlagen und Mauern (St, SF, MK, A) wachsen Steingartenpflanzen und genügsame Wildstauden in wenig Erde, Matten (M) sind flache, dichte Teppiche, der Wasserrand (WR) liegt am Gewässer. Nicht sicher winterharte Stauden gehören in den Kübel.
Bodenfeuchte
- 1 trocken, sandig und durchlässig
- 2 frisch (lehmig-sandiger Wiesenboden)
- 3 feucht (tonig oder humusreich, trocknet langsam)
- 4 nass und sumpfig
- 5 steht für Wasserzonen
Licht
- sonnig (so) den größten Teil des Tages direkte Sonne, im Sommer heiß
- absonnig (abs) überwiegend indirektes Licht, etwa hinter Gehölzen oder nordseitig
- halbschattig (hs) ein Teil des Tages Sonne, ein Teil Schatten, keine Mittagshitze
- schattig (sch) kühl, überwiegend Schatten
Beispiel
- „Fr 1 bis 2 so“ offener, sonniger Platz mit trockenem bis frischem Boden
- „GR 2 bis 3 hs“ halbschattiger Heckenrand mit frischem bis feuchtem Boden
Zweimal nachfragen und selbst nachsehen
Beschreiben Sie dem Gärtner Ihren Platz genau: Sonnenstunden, Boden, Bäume und Mauern in der Nähe. Beobachten Sie, wann die Sonne auf den Platz fällt, graben Sie mit dem Spaten ein Loch und prüfen Sie die Feuchte in der Tiefe. Lässt sich eine Handvoll Erde zur Wurst formen, ist sie lehmig oder tonig, rieselt sie durch die Finger, ist sie sandig. Fragen Sie beim Gärtner ruhig zweimal nach den Standortbedingungen der gewünschten Pflanze und haken Sie nach, wenn eine Auskunft zu allgemein klingt. Zur Not besser selbst recherchieren.
Handelt es sich bei der Pflanze um die Wildform oder ist sie eine Züchtung? Ist sie tatsächlich heimisch oder ein Neophyt, also eine eingeführte Art? Ein Beispiel ist die Vogelbeere: Die heimische Eberesche (Sorbus aucuparia) ernährt über 60 Vogelarten, ist im Handel aber nicht immer leicht zu bekommen. Häufig werden Zier-Ebereschen aus Asien angeboten, etwa mit gelben oder weißen Früchten. Wer den Vögeln und Insekten helfen will, fragt gezielt nach der heimischen Art.




